Dr. phil Elena Smirnova

Elena Smirnova

Germanistische und Angewandte Sprachwissenschaft

 

Arbeitstitel: „Komplementsatzstrukturen des Deutschen: dass-Satz versus zu-Infinitiv“

Deutsche Komplementsatzstrukturen sind sehr facettenreich. Ihre Matrixverben, die unterschiedlichen syntaktischen und semantischen Klassen angehören, kommen mit Komplementsätzen variabler Form vor: Finite Sätze werden in der Regel durch die Konjunktion dass eingeleitet, sind aber auch häufig uneingeleitet. Das finite Verb erscheint vorzugsweise im Indikativ. Infinite Sätze haben einen Infinitiv mit zu; dieser ist entweder ein Infinitiv Präsens oder ein Infinitiv Perfekt. Einige Matrixerben verbinden sich dabei bevorzugt mit infiniten Komplementen, andere schließen meist nur finite Komplementsätze an, wiederum andere scheinen keine Restriktionen hinsichtlich ihrer Komplementwahl zu haben. Die bisher vorwiegend formal orientierte Analyse der infiniten Komplementstrukturen als Instanzen der sog. „Kontrollbeziehungen“ impliziert, dass diese (bloß) als alternative (funktional äquivalente) Strukturen zu den finiten Komplementsätzen verstanden werden können. Mein Habilitationsprojekt stellt eine vergleichende Analyse von finiten und infiniten Komplementsatzstrukturen von direktiven und manipulativen Verben dar. Zwei Fragen stehen dabei im Mittelpunkt: Wie lässt sich das Verhältnis von finiten und infiniten Komplement­satz­strukturen bei diesen Verben im heutigen Deutsch beschreiben? Wie haben sich diese Strukturen diachron entwickelt?

In Bezug auf die erste Frage wird gezeigt, dass die finiten und die infiniten Komplementsatzstrukturen zwei voneinander weitgehend unabhängige Konstruktionen des Deutschen bilden, die sich nur teilweise inhaltlich überschneiden. Für diese Konstruktionen werden unterschiedliche Grundbedeutungen vorgeschlagen.

Die Nachzeichnung der historischen Entwicklung der beiden Konstruktionen zielt darauf ab, nachzuvollziehen, wie die Konstruktionen in ihrer heutigen Form und mit ihrer heutigen Bedeutung aus eher lose miteinander verbundenen Elementen und daher kompositionell analysierbaren Verbindungen entstanden sind. Besonderes Interesse gilt der Frage, welche Mikro- und Makro-Faktoren die Etablierung dieser Konstruktionen zu den relativ schematischen und produktiven Mustern des Deutschen beeinflusst haben.

Es wird außerdem überprüft, ob die Ergebnisse der durchgeführten Analyse der direktiven und manipulativen Matrixprädikate und ihren Komplementierungsmuster sich auf Komplementstrukturen anderer Verben des Deutschen übertragen lassen.